Erfolgreiche Teilnahme an der EM 2012 in Coppet Schweiz.

 

Am 17 und 18.11.2012 fand in Coppet (Schweiz) die diesjährige Vovinam Europameisterschaft statt. 260 Teilnehmer sowie 30 Meister zählte die Veranstaltung. Delegationen aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, Spanien sowie Deutschland trafen sich zum Kampf um den Meistertitel. Unsere Gruppe unter Leitung von Meister Rainer Klamser bestritt das Turnier mit Martina, Hanna, Chris, Jonathan und Valentin.


Von einer kurzen Nacht kann wohl die Rede sein, denn Samstag Morgen um 6Uhr war Abfahrt in Richtung Genf. In dem grünen "Vovi-Mobil" (ein Dank hier an die Familie Zeiss, die den Wagen gestellt hat) ging es zu sechst los und dem Turnier entgegen. Während der knapp fünfstündigen Fahrt herrschte leichte Nervosität und verbreitet Müdigkeit. Mit nur einem "Boxenstopp" ging es sehr zügig dem Ziel entgegen. Ein großes Lob hier an der Stelle an den Fahrer der uns trotz, jugendlichem Alter und Hang zum Punktesammler, sicher bis nach Coppet gebracht hat.

 

 

Das Best Western Hotel in Coppet war das erste Anfahrtsziel der Gruppe. Die bekannte, allgemeine Verwirrung und mangelnde Vorbereitung zeigten sich auch hier gleich wieder zu Beginn. Hätte doch unser Meister ein eigenes Zimmer gestellt bekommen, welches zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich hilfreich gewesen wäre. (Später mehr dazu) Nach knapp 30 Minuten waren dann die Zimmer verteilt und bezogen. Nun ging es zum Austragungsort der Europameisterschaft 2012,die Sporthalle in Coppet.



Check-In der Gruppe übernahm unser Meister Rainer, der auch prompt wieder in ein kleineres Problem lief. Schien doch wohl die Überweisung der Startgebühr nicht vom Veranstalter gefunden worden zu sein. Unser Kämpfer hatte unterdessen ein ganz anderes Problem zu bewältigen, was nur Essen, da ein Großteil der Vorräte schon aufgebraucht war. Zum Glück war hier "Mama"-Martina bestens ausgestattet. Wie gewöhnlich bei einem Event dieser Größe kam es auch hier zu Verspätungen und das nicht zu knapp. Umgezogen und bereit für den Start, wartete die Deckenpfronner Delegation zusammen mit den Gruppen aus Mühlacker und Aachen. Die Gruppe unter Meister Georg aus Stuttgart lies sich doch etwas mehr Zeit. Überraschend oder auch nicht, war das die Reden und Begrüßungen der Teilnehmer auf Französisch gehalten wurden und nicht auf Englisch wie eventuell erwartet. Ein Punkt der das ganze Turnier über im Lager der Deckenpfronner für Verunsicherung sorgte, da man nicht wusste ob und wo man denn nun starten musste. Zum Glück fand sich immer jemand der der französischen Sprache soweit mächtig war um für uns zu übersetzten.

 

Jonathan und Valentin waren die Ersten welche ihr Können bei der Thap Tu Quyen unter Beweis stellen mussten. Leider kamen beide, unverständlicher Weise, nicht über die erste Runde hinaus. Martina, Hanna und Chris saßen wie auf glühenden Kohlen und warteten nur darauf auch endlich anfangen zu können. Als es dann soweit war und die erste Kategorie Schwert Quyen an stand wurde schnell klar, dass es nun Schlag auf Schlag gehen würde, da nur eine Matte weiter schon zur Song Luyen Kiem aufgerufen wurde. Eine tolle Planung die der Veranstalter da mal wieder aufgestellt hat. Waren unsere Jungs und Mädels nicht die Einzigen welche nun von einer zur anderen Kategorie rennen mussten.

 

Schwert-Quyen Martina

Schwert-Quyen Hanna

Schwer-Quyen Chris

 

Kaum war die Quyen fertig, hieß es schon antreten zu der Song Luyen Kiem (Schwert-Langeübung). Hier kämpften Hanna und Martina, sowie Chris und Jonathan. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Aus irgendeinem Grund, welcher nicht ersichtlich war schafften es Hanna und Martina nicht über die erste Runde hinaus. Hatten Chris und Jonathan ihr Weiterkommen, auf Grund eines Patzers, schon längst abgeschrieben war es um so erstaunlicher das sie eine Runde weiter kamen. Der zweite Versuch sollte den beiden noch mal ermöglichen dem Treppchen doch noch ein Stück näher zu kommen. Beinahe wäre dies auch gelungen, hätte Chris nicht im letzten Moment doch den Faden verloren. Ärgerlich für die beiden, zumal auch noch eine Verletzung für Jonathan mit dem Patzer einher ging.

 

Hanna Martina Song Luyen Kiem

Chris Jonathan Song Luyen Kiem 1

Chris Jonathan Song Luyen Kiem 2

 

Nun hieß es Alles oder Nichts, bis jetzt waren die Deckenpfronn an den Medaillenplätzen vorbei gerauscht, Jonathan und Hanna hatten jetzt die Gelegenheit bei den Don Chan (Sprüngen) ihr Bestes zu geben. Die Spannung war beiden förmlich anzusehen. Jonathan und Partner Chris waren als erstes auf der Matte. Suveren sprang Jonathan die geübten Don Chan. Auch Hanna zeigte gute Sprünge, wenn auch bei einem mit einem Zögerer. Gespannt wurde auf das Ergebnis gewartet, welches mal wieder nur in Französisch verkündet wurde und daher nicht sofort verstanden. Dachten die Deckenpfronner das sie auch hier über die erste Runde nicht raus kämen, so staunten sie nicht schlecht als Jonathan noch ein zweites Mal aufgerufen wurde. Die Gruppe der Konkurrenten schmälerte sich und als Jonathan ein drittes Mal aufgerufen wurde war die Freude schon groß. Nach einer kurzen Besprechung der Meister wurde dann das Urteil verkündet. Finale - Silber war ihm sicher. Jonathan hatte es tatsächlich mit seinen Sprüngen bis ins Finale geschafft. Dies sollte am Sonntag für die Zuschauer dann ausgetragen werden.

 

 

Erleichterung, Erschöpfung, Glück, Freude, Ärger all das spiegelte sich in der Gruppe jetzt wieder, vor allem aber Hunger, der nun bald gestillt werden sollte. Nach nunmehr fünf ein halb Stunden war der Spuk vorbei. Die Freikämpfe waren für den Sonntag Vormittag geplant und im Anschluss die Finale aller Kategorien.

 

Duschen im Hotel und ab zum Essen - so war der Plan, wurde uns doch auch hier erst mal wieder ein Strich durch die Rechnung gemacht. War doch glatt das Abendessen auf eine schier unmenschliche Zeit nach hinten raus geschoben worden .. Als es endlich zum Essen ging waren alle schon der Erschöpfung nah. Ein Buffet mit Salat, Lasagne, Tortelini und weiteren Nudeln sollte die verlorene Energie wieder auffüllen. Nach dem üppigen Mahl wurde es etwas "zwielichtige". Hatte doch Meister Georg die neue Freikampfausrüstung für Jonathan, Hanna und Valentin besorgen sollen. Der "Kofferraumverkauf" erinnerte an diverse Filme in denen sonst doch eher andere Ware die Hände tauschte.

 

Der entspannte Teil der EM war angesagt. Chilln im Hotelzimmer mit etwas "Lebenswasser" und "Traubensaft". Die Reihen bei den Deckenpfronner lichteten sich mit fortschreitender Zeit, waren doch für Morgen noch mal harte Kämpfe angesagt. Nur der harte Kern (Hanna, Martina und Chris) schien daran wohl nicht wirklich zu denken. War man doch schon für 7Uhr zum Frühstück verabredet. Kurz, kürzer nicht der Rede wert war die Nacht auf Betten, die einer Bananenkiste mit Laken hätten Konkurrenz machen können. So mancher "Holzfäller" sorgte für eine durchwachsene Schlafsituation. Jonathan und Valentin hätten wohl am liebsten den Zimmergenossen samt Bett vor die Tür gestellt. Pünktlichst um 7uhr war dann Frühstück angesagt. Hatten Hanna, Martina und Chris zuvor noch einmal die nette Aufforderung von Meister Rainer erhalten, war es um so merkwürdiger ihn, Valentin und Jonathan nicht im Frühstücksraum vorzufinden. Stellte sich später doch glatt heraus, dass Meister Rainer mit den Jungs wo anders zu speisen gedachte. Meister Rainer wählte, statt den vorgesehenen Raum, die Business Lounge zum Frühstück und kam sogar mit den Jungs ungestraft davon. Was ein Glückspilz.

 

Der Auftakt des zweiten Tages begann fast schon überraschende geordnet. Es gab die Einweisung in den Freikampf – und das sogar in 3 Sprachen. Scheinbar hatte man aus den Fehlern und dem Gejammer der Teilnehmer am Vortag doch etwas gelernt. Schnell verflüchtigte sich die erhoffte Verbesserung, kaum waren die Regeln erklärt ging es ausschließlich in Französisch weiter. Nach dem am Vortag die Gewichtsbestimmungen für den Freikampf festgelegt wurden, wussten Valentin und Jonathan das sie beide in der selben Gewichtsklasse starten würden. Leider sollte es aber zu keinem Treffen der beiden kommen.

 

Valentins erste Kampf war auch sein letzter. Nicht das er nicht gut gekämpft hätte oder gar K.O. gegangen wäre, es waren die Punkte die ihn leider nicht gewinnen lassen wollten. Die Deckung sank zu oft nach unten und lies dem Gegner genug Platz für Kicks gegen Körper und Kopf. Jonathans Kämpfen waren von ein einigen sehr schönen Beinscheren und Überwürfen gekrönt, welche ihm durchweg zum Sieg verhalfen. Nach dem dritten Kampf war es klar - Silber oder sogar Gold war möglich. Nun hieß es die letzten Kraftreserven mobilisieren und volle Konzentration.
Die Spannung war in der ganzen Gruppe zu spüren. Alle fieberten mit, jede schöne Kombinationen wurde bejubelt, bei den Scheren und Würfen rastete, die zuschauende Menge fast aus. Als die zweite Minute abgelaufen war, standen alle unter Strom.

 

And the Winner is ... Jonathan Berstecher! Erleichterung, Jubel – GOLD Gold für Jonathan.

Unglaublich aber wahr Jonathan kämpfte sich zu Spitze vor – Europameister Freikampf in der Gruppe von 65kg – 70kg. Das wochenlange Hungern hatte sich gelohnt freudestrahlend und zugleich total erschöpft kam Jonathan von der Matte. Die Gratulationen der anderen machten ihm erst so richtig bewusst das er gewonnen hatte.

 

Nun war Hanna an der Reihe, da nur 6 Teilnehmerinnen bei den Frauen antraten, wurden sie alle in eine Gruppe gesteckt. Ihr erster Kampf war gegen eine Gegnerin, welche ungefähr in ihrer Gewichtsklasse kämpfte. Hanna setzte das von Meister Rainer ständig gesagte auch prompt um. Kaum war der Ring freigegeben stürmte sie auf die Gegnerin los. Dieser blieb fast nichts anderes übrig als den Ring rückwärts zu verlassen. Ein paar schöne Kicks und das ständige aus dem Ringtreiben halfen Hanna ihren ersten Kampf zu gewinnen. Der zweite Kampf sollte schon eine viel härtere Nuss darstellen. Gut 15kg schwerer war ihre Gegnerin jetzt. Und das merkte man leider sehr deutlich. Die Kicks und Schläge hatten nicht mehr die Wirkung wie bei ihrem ersten „Opfer“. Hanna kämpfte sichtlich und man merkte ihr die schwindende Kraft und Kondition an. Am Ende haben wohl ein paar Punkte für den Sieg gefehlt. Nachdem zwei der sechs Teilnehmerinnen eliminiert wurden blieb noch eine Gegnerin übrig. Total erschöpft vom zweiten Kampf entschied Hanna den dritten nicht mehr zu bestreiten, das Risiko einer Verletzung durch mangelndes Blocken wäre zu hoch gewesen. Sie hatte alles gegeben und noch mehr am Ende reichte es nach Punkten für den wohl verdienten dritten Platz. Bronze – wirklich mehr als verdient.

 

Aber noch war der Tag nicht gelaufen. Die Sprünge standen noch auf dem Tagespunkt. Die Spannung stieg und stieg, die ersten Finale waren ausgetragen und die Medaillen an die Kinder vergeben. Dann war es soweit Finale der Don Chan. Jonathan und Chris durften als erste starten. Gold war das Ziel, doch beide gingen es entspannt an, denn Silber stand ja schon mal fest. Die Leistung von Jonathan waren außergewöhnlich. Er flog förmlich durch die Luft. Alles passte perfekt. Dann der letzte Sprung – der Schrei ... und dann Ende. Nach dem die andere gesprungen waren hieß es wieder warten. Berstecher Jonathan war nur aus dem Lautsprecher zu hören – der Jubel war groß unter den Teilnehmer aus Deckenpfronn, hat Jonathan es doch geschafft - doppelt Gold für Deckenpfronn.

 

Jonathan Don Chan Finale

 

Mehr als zufrieden strahlte Meister Rainer bis über beide Ohren und verkündete stolz dass die anderen Meister sehr beeindruckt von den Beinscheren waren. Nun hieß es noch die restliche Zeremonie überstehen und dann nichts wie ab nach Hause. War es doch später geworden als gedacht. Die Heimfahrt gestaltete sich als sehr ruhig. Schlief doch der Großteil der Mitfahrer hinten friedlich im Auto. Home sweet Home hieß es nach weiteren fünf Stunden Fahrt. Ausladen und verabschieden man sehe sich am Montag zum Training. Was ein Wochenende für die Delegation Deckenpfronn.

 

Gut gemacht – weiter so! Auf zu noch größeren Zielen.